Druckansicht - Sonntag 5. Februar 2012
  • gb.gif
  • cz.gif
Restauriert nach 150 Jahren!
Mailänder Deckelpokal aus Bergkristall

  

unknown20.06.2008 

 

Nach wenigstens eineinhalb Jahrhunderten (!) war im Mai 2008 ein Kunstwerk der Schatzkammer endlich wieder in einen vorzeigbaren Zustand gebracht: ein auf den ersten Blick eher schlichter Deckelpokal aus Bergkristall. Der Pokal in Form eines Kelches ist am Fuß und über dem Schaft mit dünnen Goldfassungen versehen, die ihrerseits mit feinen Ranken in schwarzem Email verziert sind. Die Kuppa umläuft unten ein Band von Meereswellen mit Fischen, zwischen denen sich drei Tritonen, Seegötter mit Menschenleib und Fischschwanz, aus dem Wasser erheben. Ranken schmücken den oberen Rand der Kuppa, den Fuß und den Deckel. Die bei Bergkristall üblichen Unreinheiten hat der Steinschneider geschickt mit Ornament zu überdecken versucht.

 

Schon der Benediktiner Beda Dudík, der 1865 den Ordensschatz als Erster wissenschaftlich bearbeitete und auch kurz diesen Pokal anführt, bezeichnet ihn als zerbrochen.


Weil er deswegen auch nie öffentlich ausgestellt war, grenzt es fast an ein Wunder, daß unknowndas Objekt überhaupt bis heute überlebt hat. Um aber einem unbemerkten Verschwinden des Pokals vorzubeugen, war es letztlich unumgänglich, ihn zu restaurieren und in der Schatzkammer dem Publikum zu präsentieren.

 

Die Restaurierung hat auf vorbildliche Weise Frau Mag. Katrin Herzele von der Wiener Restaurierwerkstatt Dorfner/Herzele durchgeführt. Die alten, verfärbten Klebestellen des Pokals wurden gelöst, die einzelnen Teile wurden gereinigt und wieder zusammengesetzt. Die größte Herausforderung bestand in der Schließung einer großen Fehlstelle, um die Stabilität des Pokals zu gewährleisten. Hier konnte auf eine alterungsbeständige und konservatorisch unbedenkliche transparente Ergänzungsmasse zurückgegriffen werden.

 

Durch den Vergleich mit ähnlichen Werken, z. B. in der Kunstkammer des Wiener Kunsthistorischen Museums, läßt sich der Pokal näher einordnen. Mit großer Sicherheit stammt er aus der Werkstatt von Gasparo Miseroni in Mailand und wurde um 1550/60 geschaffen. Mailand war im 16./17. Jahrhundert ein Zentrum der Steinschneidekunst, und zahllose geschliffene, geschnittene und mit Gold gefaßte Gefäße gelangten von dort an die Fürstenhöfe Europas, so auch nach Wien. Kaiser Rudolf II. war zweifelsohne einer der größten Liebhaber und Förderer dieses Handwerks, wahrscheinlicher aber war dieser Pokal bereits Teil der Sammlung seines Vaters, Kaiser Maximilians II. († 1576). Zu unbekanntem Zeitpunkt ging der Pokal dann auf seinen Sohn Erzherzog Maximilian, Hochmeister von 1585/90 bis 1618, über und kam damit schließlich in den Ordensschatz. Zwar ist das kostbare Werk nirgendwo mit Ordenskreuz, Hochmeisterwappen oder Inschrift bezeichnet, noch lassen die Motive eine inhaltliche Deutung zu, damit aber entspricht der Pokal vielen Objekten der Schatzkammer, die als ‚Kunstkammer'-Stücke allein wegen ihrer Schönheit und Kostbarkeit Grund zur Freude bieten.

 

Der Pokal ist ab sofort in einer Einzelvitrine im ersten Raum der Schatzkammer ausgestellt.

© 2005 AGENTUR ZEITPUNKT Mediendesign & -produktion GmbH

mysql error: [1016: Can't open file: 'log_rawaccess.MYI'. (errno: 145)] in EXECUTE("INSERT INTO log_rawaccess set
			userid='-1', 
			ip='38.107.179.217', 
			duration=null, 
			cmd='show', 
			data='article:93', 
			page='site/article_detail.tpl', 
			realname='anonym', 
			referer='', 
			year=year(now()), 
			month=month(now()), 
			day=dayofmonth(now()), 
			hour=hour(now()),
			req_schema='article',
			req_section='site/ordenshausinwien/schatzkammer/aktuelles',
			req_type='article',
			req_id='93' ")

Database Log error