In der Wiener „Presse“ vom 22. Mai 1863, einem Freitag, konnte der geschätzte Leser auf Seite 3 unter der Rubrik „Wiener Nachrichten“ folgendes lesen: „Nach einem Telegramm aus Selowitz vom heutigen Tage ist die Frau Erzherzogin Elisabeth, Gemalin des Herrn Erzherzogs Karl Ferdinand glücklich von einem Erzherzoge entbunden worden – Ueber das Befinden des Herrn Erzherzogs Maximilan d’Este liegt von heute Früh das folgende Telegramm vor: „Die Erleichterung in den Krankheitserscheinungen dauerte während des Tages fort; von halb 9 Uhr Abends bis Mitternacht ruhiger Schlummer; beim Erwachen mäßiger Anfall von Beklemmung, hierauf gewöhnliche Beruhigung“… Während sich für Erzherzog Maximilian Josef von Österreich-Este der letzte Abschnitt seines irdischen Weges abzeichnet und er wenige Tage später, am 1. Juni 1863, seine Seele in Gottes Hand zurücklegen wird, beginnt da in einem Schloss in Mähren der Lebensweg eines Habsburgers der übernächsten Generation.
Zwei Menschen, die in die höchste Gesellschaftsschicht hineingeboren, geprägt waren von einer engen Bindung an ihre Familie, von Verantwortung und Pflicht für Kaiser und Staat und die getragen wurden von einer tiefen persönlichen Frömmigkeit, der sie in vielfältigen Werken der Barmherzigkeit einen praktischen Ausdruck gaben und die nicht zuletzt zu ihrer großen Beliebtheit in der Bevölkerung beitrugen. Beide Erzherzöge waren mit je eigener Handschrift und persönlichen Schwerpunkten prägend für den Deutschen Orden, in einem Maße, dass sie auch heute noch herausragen lässt unter den 65 Hochmeistern die diesen Orden führten und führen. Beiden lag der Orden zutiefst am Herzen, beide waren bestrebt, ihm zeitgemäßes Leben zu geben, Entfaltung und Blühen durch geistliche Förderung aber auch durch entsprechende finanzielle Aufwendungen zu ermöglichen. Beide haben mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, das Charisma des Ordens, jenes „helfen und heilen“, das die Gemeinschaft seit den Gründungstagen prägte in die jeweilige konkreten Lebenssituationen zu übertragen und für die Menschen fruchtbar zu machen, damit Gottes Nähe in der Welt sichtbar und spürbar zu machen. Und so ist es vielleicht kein Zufall, dass die beiden Meldungen einander unmittelbar folgen in der Presse dieses Maitages 1863. Erzherzog Eugen wird die Geschicke des Deutschen Ordens 29 Jahre lenken und wird als Professmitglied 69 Jahre dieser Gemeinschaft angehören, womit er Hochmeister Maximilian Josef sogar noch übertrifft, der 62 Jahre Teil des Ordens und 28 Jahre als Hochmeister an seiner Spitze stand.